Samstag, 19. Dezember 2015

Lifestyle-#Hitler (1) – #Sex und #Alkohol


Man könnte in manchen Zeitungen eine eigene Rubrik für Adolf Hitler aufmachen. Das gilt jedenfalls für„Die Welt“. Heute wirkt das auf der Website schon im Layout so:


Es stehen also nebeneinander aktuelle Beiträge über den medizinischen Befund, dass Hitler nur einen sichtbaren Hoden hatte („Kryptorchie“); sowie einer über Hitlers Bierkonsum während der Haft in der Festung Landsberg. Beide Artikel sind Auswertungen der neuen Buchveröffentlichung „Hitler als Häftling in Landsberg am Lech 1923/24“ von Peter Fleischmann.

Das ist für Hitler-Interessierte allemal wissenswert. Im Medien-Konzert empfiehlt sich allerdings der Hinweis, dass diese tendenziell voyeuristischen Einblicke in der Privatleben der Person Hitler einen gewissen Sensationalismus bedienen – die massentauglichen Themen Sex und Alkohol.

Man würde sich wünschen, dass etwa  „Welt“-Autoren wie hier Sven Felix Kellerhoff – pardon, aber nach diesem Artikel kann man nicht anders – die Eier hätten, vergleichbare Themen auch für die Gegenwart anzusprechen. Über einen toten Hitler Pikantes auszubreiten, ist relativ wohlfeil. Die Rolle von (Nicht-)Sexualität in der Gegenwart könnte einen Springer-Verlag durchaus ins Schwitzen bringen. Denn plötzlich müsste man über die Porno-Industrie sprechen. Wirklich sprechen. Oder man könnte sich über die Alkohol-Kulturen einmal Gedanken machen, die über Weinverkostung oder vereinzelte Komasaufen-Alarme hinausgehen. Tja. Was nicht ist, kann ja noch werden.

Für Hitler gilt, dass er nicht nur in Deutschland für so gut wie alles als Buhmann taugt. Was ein Winston Chuchill in seiner beständig angeschickerten Birne so plante, sagte, schrieb oder gar tat? Ich finde per Website-Suche dazu auf www.welt.de nicht gerade viel. Und was zu finden ist, präsentiert den britischen Kriegsherrn als Whisky-Genießer oder betont noch im Saufen das Staatsmännische:
Nach dem Zweiten Weltkrieg dinierte Churchill während eines Gipfeltreffens mit dem saudischen König in Kairo in dessen Herrscherzelt und ließ sich dabei, wie er es gewohnt war, von seiner Umgebung Zigarren und Alkohol reichen. Als man ihn jedoch diskret darauf hinwies, dass dies nach islamischem Glauben eine Versündigung sei, gab er zur Antwort: "Seine Hoheit möge verstehen, dass Zigarren und Alkoholkonsum Teile der abendländischen Kultur sind, auf die er nicht verzichten möchte." So spricht ein Pascha zu einem anderen.
Zu Hitler klingt es bei Kellerhoff betreffs „Mein Kampf“ so:
Ohne Zweifel liest sich der vor Hass triefende Text so, als wäre er im Vollrausch geschrieben – doch wahrscheinlicher ist, dass Hitler dazu auch ohne Alkohol in der Lage gewesen ist.
So bleibt die Welt (diesmal die reale) fein säuberlich in Gut und Böse eingeteilt. Ohne das hier ausführen zu können: Die verbalen Bekenntnisse Hitlers muten gegenüber anderen Taktiken innerhalb der internationalen Machtspiele aus einer Sicht geradezu naiv an. Eine historische Bewertung hat einen Begriff wie „Hass“ in all seinen Facetten zu beleuchten. Und schon in puncto Totalitarismus hat das britische Königreich schon keine Geschichte, die sich irgendeines ernsthaften humanistischen Anspruchs rühmen könnte. Neben anderen Beispielen auf der interessanten Seite www.listverse.com findet sich dies:
Under slogans like “labor and freedom” and other variations on ”Arbeit macht frei,” inmates were worked to death as slave labor filling in mass graves. Random executions were not-uncommon and the use of torture was widespread. Men were anally raped with knives. Women had their breasts mutilated and cut off. Eyes were gouged out and ears cut off and skin lacerated with coiled barbed wire. People were castrated with pliers then sodomized by guards. Interrogation involved stuffing a detainee’s mouth with mud and stamping on his throat until he passed out or died. Survivors were sometimes burned alive.
The official body count is under 2,000, but more reliable estimates place the total dead in the tens or hundreds of thousands. Most of them were civilians or children, detained on vague, trumped-up charges of aiding the rebels.
Zum Thema Churchill kann man außerdem nicht verschweigen:
In 1943, a deadly famine swept the Bengal region of modern East India and Bangladesh. Between one and three million people died in a tragedy that was completely preventable. At the time, the extent of suffering was put down to an incompetent British government too busy dealing with a war to look after its empire properly. But in 2010 a new book came out claiming the lack of famine relief was deliberate and that the deaths of those millions had been intentionally engineered by one man: Winston Churchill.
Gut, dass Churchill selbst das nicht so genau selbst aufgeschrieben hat. Und gut, dass der Hass sich immer auf deutscher Seite findet. So dauert es noch ein wenig, bis unser Bild der Geschichte an Gestalt gewinnt. Man wird anschließend sehen, wer hierbei besonders hilfreich war.

Und dass die Krypt- auch eine Monorchie ist, darf ebenfalls bedacht sein.

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Rudolf Steiners Saturn-Lehre – #Anthroposophie

Rudolf Steiner entwickelte eine Lehre vom Saturn, die sich sowohl von der zeitgenössischen Astrologie wie auch von anderen Okkult-Lehren der Zeit – wie etwa der „Fraternitas Saturni“ nach Aleister Crowley – unterschied.

Er nahm dabei mehrere „Weltentwicklungsstufen“ an, die aufeinander gefolgt seien. Eine solche Kosmologie zaubert Steiner regelrecht aus dem Hut – niemand kann wohl erklären, woher er derlei gewusst haben will.

„Weltentwicklungsstufen“ nach Rudolf Steiner
Die ersten 4 planetarischen Weltentwicklungsstufen: Alter Saturn - Alte Sonne - Alter Mond - Erde; Wandtafelzeichnung aus GA 354, S.17
Das Anthro-Wiki erklärt zu den „Weltentwicklungsstufen“:
Die sieben planetarischen Entwicklungsstufen entsprechen sieben aufeinanderfolgenden planetarischen Verkörperungen - das Prinzip der Reinkarnation ist universell und gilt nicht nur für Einzelwesen, sondern auch für ganze Welten. Drei planetarische Verkörperungen liegen bereits in der Vergangenheit. Rudolf Steiner bezeichnet diese alten Planeten als alter Saturn, alte Sonne und alter Mond. Dann folgt unsere gegenwärtige Erde als vierte Stufe. Drei weitere Verkörperungen werden in der Zukunft noch folgen, ein neuer Jupiter, eine neue Venus und der sogenannte Vulkanzustand.

Zwischen den planetarischen Verkörperungen, den sogenannten Manvantaras, liegen rein geistige Zustände, die Pralayas genannt werden. Die Namen dieser okkulten Planeten sind aus bestimmten inneren Gründen an unsere heutigen Planeten angelehnt, dürfen aber nicht mit diesen verwechselt werden. Angestoßen wurde die ganze Entwicklung dadurch, dass die Throne, die Geister des Willens, einen Teil ihrer Willenssubstanz hinopferten und dadurch die Wärmesubstanz hervorbrachten, aus der sich der alte Saturn aufbaute. Erst auf der alten Sonne kam das Luftelement dazu, auf dem alten Mond das Wasserelement und erst auf unserer Erde das feste kristalline Erdelement.

Der Volltext:
Rudolf Steiner: Die Schöpfung der Welt und des Menschen. Erdenleben und Sternenwirken
Gesamtausgabe, Band VIII. – Vierzehn Vorträge, Dornach 30. Juni bis 24. September 1924

Sonntag, 29. November 2015

National Geographic zu #Okkultismus im #Nationalsozialismus

Diese Dokumentation ist eine Einführung in das Thema, in den meisten Punkten rechtlich sachlich und gesichert. Sie bietet einen Überblick zu Standard-Argumenten und macht mit Autoren bekannt, die zum Thema Nazi-Okkultismus gearbeitet haben. Dazu zählen Nicholas Goodrick-Clarke, Stephen Flowers, Peter Levenda, außerdem Kolleen Guy und Courtenay Raia-Grean.


Zu den relativ ungesicherten Episoden gehört die - hier relativ stark betonte - Beziehung Adolf Hitlers zu dem Wahrsager Erik Jan Hanussen einschließlich dessen Überreichung einer Alraunen-Wurzel. Im Bild zu sehen ist das gemalte Bild dieser Szene, begleitet von einem Zeitungsbericht (laut dieser Quelle ein österreichisches Blatt).


Ingo Bading kommt zu der Einschätzung:
Die kommunistischen Zeitungen jener Zeit gehen wie selbstverständlich davon aus, daß Hanussen Hitlers künftiger Reichs-Astrologe ist. Soweit übersehbar hat das Hitler niemals dementieren lassen. Dazu bestand auch kein Anlaß, denn Hanussen war sicher - wenn nichts anderes - mit seinen Voraussagen ein nützlicher Propagandist der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Schon aus diesem Grund - und natürlich wegen der auch sonst gut bezeugten astrologischen und okkulten Interessen Hitlers - wäre es absurd, wenn Hitler nicht den persönlichen Kontakt zu Hanussen gesucht hätte. Dieser ist ja denn auch durch zahlreiche weitere Personen bezeugt.

Dienstag, 10. November 2015

#Nationalsozialismus-Forschung bei Peter #Longerich

Den Autor der gerade neu erschienenen Biografie über Adolf Hitler kann man hier im Gespräch mit dem Publizisten Charles Lewinsky sehen:


Am Beginn des Gesprächs kann man erahnen, welche Sozialisation Longerich durchlaufen hat im Münchener „Institut für Zeitgeschichte“, wo er 80.000 Dokumentseiten in 8.000 Exzerpte verwandelt haben will. Man könnte vermuten, dass Longerich entweder uns vieles nicht erzählt, was er mittlerweile erfahren und gelernt hat; oder dass er den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.

Interviewer Charles Lewinsky legt eine Art an den Tag, die Longerich möglicherweise eine gut versteckte Ironie widerfahren lässt. Wie mit großer Vorsicht und ohne anschließende Widerrede fragt er den Autor der Biografien von Joseph Goebbels, Heinrich Himmler und nun auch Adolf Hitler, ob er denn jemals etwas Besonderes entdeckt habe bei seinen viele Jahre währenden Recherchen. Die Antwort lautet schlicht: Nein. Dafür ist Longerich aber verhältnismäßig mitteilsam gegenüber Bibliotheksregalen, im Fall der neuen Hitler-Biografie 1296 Seiten lang.

Zur Ironie Lewinskys gehört, dass, nachdem er Longerich unauffällig zu dem Eingeständnis gebracht hat, dass es in seinen gut beworbenen Büchern eigentlich nichts wirklich Neues zu erfahren gebe, zu grundsätzlichen Aussagen ermuntern will, von denen Longerich dann andeutet, sie seien möglicherweise komplex, worauf Lewinsky befindet: „Im Notfall machen wir eine zweite Sendung.“

Bei allem, was davor schon gesagt wurde und was danach folgt, denkt man sich dazu: Vielleicht gar nicht notwendig.

Lewinsky stellt die Frage in den Raum, „wie das passieren konnte, dass ein ganzes Land, das sich ja selber als ein Land der Dichter und Denker verstand, zum Land der Richter und Henker wurde, ein Land wurde sozusagen, dass ein ganzes Land eigentlich den Verstand verloren hat?“ Longerich macht bei der Akademie den Diener, indem er behauptet, die Geschichtswissenschaft habe hierauf mittlerweile „gute Antworten“.

Lewinsky weist ihn darauf hin: „Wir sind in einem Sendegefäß, wo auch komplexe Fragen angesprochen werden können.“ Ich weiß nicht, ob das eine Schweizer Redensart ist, das „Sendegefäß“. Man sollte dabei jedenfalls nicht vergessen, dass Lewinsky aufgrund seiner jüdischen Herkunft damit vertraut sein könnte, dass die  „Gefäße“ ein zentrales Bild in der Mystik der Kabbala sind. Und vielleicht hat die jüdische Geschichte und Esoterik noch wesentlich mehr mit dem Hitler-Reich zu tun, als dies bisher bekannt ist – und uns von Autoren wie Longerich mitgeteilt wird. Auch Lewinsky hat zum Dritten Reich publiziert („Hitler auf dem Rütli“, 1984, mit Doris Morf).

In einem Satz wird von Longerich als Antwort lapidar bemerkt, es sei mit dem NS „eine neue Massenbewegung entstanden“, die die etablierte politische Rechte vergeblich versucht habe, für sich zu vereinnahmen.

Es gilt über eine Fülle von außen-, innen- und kryptopolitischen, ideologischen und personellen Faktoren zu sprechen, wenn man diesen historischen Prozess umfassend beleuchten und verstehen will. Longerich benennt sicher ein paar der Umstände richtig, unter denen dann 1933 die Machtübernahme durch die Nazis stattfand und das Dritte Reich sich gestaltete. Doch ganz schnell ist er dann beim Personalpronomen „sie“ für die Nazis, die als isoliertes souveränes Handlungssubjekt erscheinen.

Ob dem so war, kann man bezweifeln. Von einigen der im Gespräch folgenden Erläuterungen kann man etwas lernen über die Gruppierungen und Institutionen des Nationalsozialismus. Von Einflussfaktoren außerhalb der deutschen Reiche vor 1933 und danach erfahren wir hier nichts. Ebensowenig über die okkultistischen Anwandlungen, die bei Longerichs Thema Heinrich Himmler gut belegt sind – und keine ganz unwesentlichen Begleitumstände von Himmlers politischem Handeln waren. Auch für Hitler ist Vergleichbares erst noch weitergehend zu erarbeiten.

Montag, 26. Oktober 2015

#Hitler als Quoten-Garant im #Kino

Das neueste Beispiel beweist es einmal mehr: Hitler ist ein Publikumsmagnet für Kino-Inszenierungen, derzeit als satirische Variante in „Er ist wieder da“ (R: David Wnendt).
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Der erste Film in Wnendts Werkliste wäre im Führerhauptquartier jedenfalls beim Umgang mit Verschwörern und Attentätern wohl gut angekommen („Hangin On“, 2000). Wie Wnendt von der Charlotte-Roche-Verfilmung „Feuchtgebiete“ (2013) direkt zu diesem Thema übergeht, sei dahingestellt. Oder nein, doch: Es handelt sich eben um eine Bestseller-Buchvorlage.

Früher gab es in Deutschland „Autorenfilmer“, die die irre Idee hatten, selbst etwas für die Leinwand zu erfinden.

Sonntag, 27. September 2015

Kurzfilm: "Hitler Lives" (1945) von Don Siegel

Der spätere Action-Regisseur Don Siegel („Dirty Harry“, USA 1971) wirkte in seinem zweiten Film als Propagandist für die amerikanische Seite.
 

Der Film ist eine dichte politische Botschaft, begleitet von einem durchgehenden energischen Off-Kommentar. Ironisch, überzeugt, pathetisch ruft er zu einer letzten großen Anstrengung auf und beklagt die menschlichen Verluste der eigenen Truppen.
 
„Hitler Lives“ bedeutet, dass Adolf Hitler zu diesem Zeitpunkt schon tot, aber nicht ohne politisches Fortleben war. Er warnt vor Nazi-Propaganda in der eigenen Kultur. Interessant ist, wie Akzente des Kommentars zu freiheitlichen Nationen im Bündnis gegen Nazi-Deutschland zu Bildern u.a. von Josef Stalin erklingen, wie sich auch die sowjetische Flagge einträchtig in jene der anderen Nationen um die USA einreiht.

Montag, 14. September 2015

Hitlers Gebrauch der Droge Eukodal

Die „Süddeutsche Zeitung“ verbreitet heute ein Reuters-Video. Der Schriftsteller Norman Ohler weist darin zu einer neuen Buchveröffentlichung auf die Verabreichung des Opioids Eukodal durch Hitlers Leibarzt Theodor Morell hin.


Ohler bemerkt zu Recht, dass durch Hitlers Gebrauch von Stimulanzien ein Realitätsverlust stattgefunden haben dürfte, der auch in aussichtloser Lage die Illusion aufrechterhielt, dass der Zweite Weltkrieg noch nicht verloren sei. Dazu gehörte auch eine längere Phase der Verabreichung von Kokain.

Ohlers Buch trägt den Titel „Der totale Rausch“ und ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.